Anna Log

tl_files/envogue-24/logo_na.png

Nach mehr als 17 Jahren ist es den Entwicklern von Nottingham gelungen, sich nochmals zu übertreffen und gleichzeitig einen Traum Gestalt annehmen zu lassen: Wir möchten Sie mit "Anna" bekannt machen: Sie liebt es der Musik zuzuhören - nicht sich selbst.

Unter Berücksichtigung aller bekannter Philosophien, eigener Erfahrungen und vieler frischer Ideen entstand etwas Großes.

Klingt es nicht verlockend, dem reinen "anna logen " Signal des Vinyls zu lauschen? Viele Laufwerke versprechen einen neutralen, unverfälschten Klang - Anna erfüllt das Versprechen. Das Reference-Laufwerk reproduziert Musik ohne störende Einflüsse von Motor und Riemenführung. Der Torso dieser englischen Lady besteht aus edel aufgearbeitetem Holz. Kleine Quader werden dabei aus einem Eichenbalken (Anno 1740!) herausgeschnitten, nur um danach entgegen ihrer Maserung wieder zu einem Block zusammengeleimt zu werden. Ein noch "toteres" Material werden Sie nirgends finden! Aus diesem Konstruktionsprinzip leitet sich auch der Name ab: „log“ engl. für Baumstamm.

Ein überdimensionaler Sandwich-Plattenteller aus Graphit-Carbon und Grauguss, ein grundsolides Lager aus Bronce und Edelstahl tun ein Übriges.

Auf jeden Fall wäre Anna Ihr letztes Laufwerk.

Hier Auszüge aus dem Test aus:

image hifi Nr. 98

Autor: Cai Brockmann
Fotografie: Rolf Winter

© 2011 Image Verlag, Puchheim
www.image-hifi.com

Nottingham Analogue AnnaLog + AnnaArm 10"

Mein Freund, der Baum

Wir entdecken eine uralte Kirche, nehmen den schönsten Balken heraus, zersägen ihn fein säuberlich und bauen daraus ein Laufwerk für die Ewigkeit!

Mit Baumstämmen sollte ich mich ein bisschen auskennen. Jahrelang besaß ich einen Lautsprecher namens Linn Kaber, dessen Name auf den schottischen Männersport ......

Die Kaber war ein guter Lautsprecher. Noch viel weniger würde mir eine sportive Tätigkeit zu einem gewissen Plattenspieler aus England einfallen, obwohl der ebenfalls mit Baumstämmen zu tun hat. Das zweitgrößte Laufwerk der Vinylspezialisten von Nottingham Analogue (NA) heißt nämlich AnnaLog. .....

Log heißt hier Baumstamm, und zwar ein gefällter. Derlei Holz wird bei Nottingham Analogue besonders fürsorglich behandelt, stammt es doch, so die Story zum Weitererzählen, aus dem Gebälk einer verlassenen Kirche von 1740. Man habe sich die schönsten Balken sichern können, um sie, nein, nicht auf der Olympiade von Gotland zu tossen, sondern fein säuberlich zu zersägen und anschließend wieder zusammenzufügen.
Was das nun wieder soll, fragen Sie sich? Nun, uraltes und feingemasertes Massivholz ist unter Instrumentenbauern, kunstfertigen Schreinern und Restaurateuren ein äußerst beliebtes, wenngleich auch diffiziles Basismaterial. Dieses Holz ist durch den schon lange abgeschlossenen Trocknungsprozess extrem formstabil, da verzieht sich rein gar nix mehr. Und da man sich bei Nottingham Analogue schon immer auf einen geschickten Materialmix verstanden hat, ist dieses Holz schwer zu finden und dementsprechend kostspielig, ein begehrter Grundstoff, um daraus die Basis eines Laufwerks zu formen.
Nun besitzt uraltes, ausgehärtetes Holz aber auch die Eigenschaft, bei ganz bestimmten Formen und Frequenzen fröhlich mitzuschwingen, das macht es ja bei einigen Tonerzeugern so beliebt. Für einen Plattenspieler wiederum ist das alles andere als erwünscht. Extrem stabiles Chassis? Aber gerne doch! Resonanzen und stehende Wellen? Nein danke!
Nottingham Analogue zersägt seine wertvollen Uralt-Logs daher in kleine Blöckchen und fügt sie "gegenphasig", hier wohl eher: gegenfaserig, wieder zusammen, diverse Schrägen, Rundungen, Kerbungen und Längendifferenzen tun ein übriges, um die gewünschten Eigenschaften zu erhalten, unerwünschte hingegen zu eliminieren. Außerdem, und damit kommen wir zu einem Grundelement das AnnaLog, sieht das Ganze unverwechselbar, ja einfach abgefahren aus. Es ist zwar nicht so, dass die Optik des AnnaLog in meinem Umfeld auf ungeteilte Begeisterung stoßen würde, aber einzigartig ist das domestizierte Gebälk auf jeden Fall. Wer daran auch nur vorbeigehen will, scheint wenigstens einmal mit der Hand über den Balken streiche(l)n und sich die Skulptur aus jeder Richtung anschauen zu müssen.
.......Mein Sohn hingegen findet die extravagante Balken-Anna einfach nur cool und will sofort lernen, wie man bei diesem Schlitten korrekterweise Schallplatten auflegt. Er hat da schon mal ein paar ausgesucht.
Ich halte diesen unverkrampften Zugang für den einzig richtigen Weg, um zum Kern des AnnaLog vorzustossen. Nottingham Analogue hat noch nie auch nur ein einziges Gerät präsentiert, das mit seiner Oberfläche Eindruck schinden will. Die Hülle zählt bei NA so gut wie nichts, alles ist der Funktion und der dadurch zu erzielenden Klangqualität untergeordnet, irgendein Geheimnis ist, wenn überhaupt, nicht in Äußerlichkeiten, sondern tief in den Dingen und ihrer geschickten Zusammenstellung zu finden. Womit wir ruckzuck wieder beim rustikalen Balkentragwerk sind, man stelle sich nur vor, Sonus Faber hätte sich um die Be- und Verarbeitung des Holzes gekümmert.
Nein, das wäre dann nicht mehr Nottingham Analogue, die englische Manufaktur. Man ist bereits seit Ende der Sechziger am Start, fertigt praktisch alles im eigenen Haus und stellt sich dabei immer wieder dermaßen britisch an, dass der Anglophile in mir regelmäßig schmunzeln muss.

......Der Motor des AnnaLog ist der bekannte extrem laufruhige Schwachbrüstling, der dem massiven Tellergebirge aus schwerem Spezial-Alu und Graphit gerade so viel Energie zuführt, dass es die exakte Geschwindigkeit hält. Und, hey, es gibt, wie bei den größeren NA-Modellen üblich, eine externe Steuerung, selbstverständlich nur zur elektronischen Feinregulierung. Für Start und Stopp und zum Wechsel der Geschwindigkeit bremse man den sich drehenden Massivling beherzt ab und tue, was getan werden muss. Danach bitte wieder anschieben. Dankeschön. .....
Auf der anderen, im wahrsten Sinne handfesten Seite ist der Aufbau des AnnaLog eine zwar gewichtige, aber unkomplizierte Sache. Auf der rechteckigen Stellbasis wird das Grundchassis positioniert, das sich dank großer Füße mit Schraubgewinde problemlos austarieren lässt. In die Tellerlagerbuchse appliziert man mit einer beiliegenden Pipette rund zwei Milliliter Öl und lässt darin die ultrasolide Tellerachse in aller Ruhe absinken. Derweil schraubt man zwei mitgelieferte Hebeschlüssel in die entsprechenden Gewinde des unteren, des eigentlichen Plattentellers und bereitet sich darauf vor, nun doch ein bisschen Präzisionssport absolvieren zu müssen, schließlich muss der Trumm von Teller zielsicher auf die Achse gezirkelt werden. On top kommt dann die so genannte Graphite-Mat, in Wirklichkeit gar keine "Matte", sondern, wenigstens dem Gewicht nach, der hübsche Halbbruder eines Gullydeckels. Und AnnaLog ist nun bereit für analoge Großtaten.
......
Nottingham bietet zur Tonarm-Montage auf dem Log zwei Optionen an: erstens eine zweite Basisplatte, deren Platz am hinteren Ende des linken Chassisauslegers vorgesehen ist, zweitens eine, so Hans Obels vom NA-Distributor EnVogue 24, "geniale" Wechselbasis ....
Zum Einstieg habe ich im Ein-punktlager-AnnaArm das ebenso unverwüstliche wie preisgünstige Denon DL-103 montiert. Und das lässt bereits in der ersten Einlaufrille der ersten Scheibe auf Höchstform spekulieren. Gefüttert mit einer alten Rockscheibe, nämlich John Mellencamps Whenever We Wanted (Mercury 510-151, Billigausgabe von 1991), platzen Schlagzeugattacken und wilde Gitarrenriffs blitzartig aus dem Nichts, na gut: bersten aus einem vernehmlichen Knisterteppich hervor, denn diese Scheibe ist wirklich abgenudelt. Fakt ist dennoch, dass Anna bereits mit einem kleinen, guten System und einer mediokren Dünnscheibe musikalisch richtig zündet. Und von der ach so typischen Trägheit klassischer Masselaufwerke, 42 Kilo sind eine eindeutige Ansage, ist bei Nottinghams Kronprinz nichts, aber auch gar nichts zu spüren.
Krasser Wechsel zu einer meiner Lieblingspersönlichkeiten unter den klassischen Pianisten. Vladimir Horowitz besaß selbst als über 80-Jähriger noch eine unglaublich involvierende Art, dem Flügel lächelnd seine musikalischen Geschichten zu entlocken, mit elektrisierender Virtuosität und explosivem Akkordstakkato, poetischem Duktus und zärtlichstem Pianissimo. Ich tauche also mit dem AnnaLog nach pianistischen Schätzen des Dokumentarstreifens Vladimir Horowitz, The Last Romantic (auf LP schlicht: Horowitz, DG 419045-1), finde Chopins Mazurka in a-Moll, genieße Mozarts verschmitzt-verspielte C-Dur-Sonate KV 330 und lasse mich des Weiteren von Schubert, Schumann und Liszt, von Rachmaninow, Bach und Scriabin und schliefllich von einer rasant perlenden Moszkowski-Et¸de verzaubern. Was für ein toller alter Tastenhexer! Und was für ein toller Plattenspieler! Angesichts einer solchen Performance ist es mir doch vollkommen wurscht, ob diese Digitalaufnahme der Deutschen Grammophon von 1985 nun Referenzstatus unter Kennern besitzt oder nicht (eher nicht, nehme ich an). Denn so involvierend, wie Log und Arm schon mit einem 103er, wahrlich kein Auflösungswunder, aufspielen und die pianistischen Eruptionen des so zerbrechlich wirkenden Mannes mit der Fliege transportieren, so groß wird allmählich mein Respekt vor Anna, der großartigen Musikmaschine.
Durchaus im Gegensatz zum ebenfalls vorzüglichen, wie aus dem Ei gepellten Brinkmann Bardo, der noch ein paar Tage zuvor den Platz auf dem LignoLab TT-100 besetzte, scheint der Nottingham die Noten und Töne und Räume mit zupackenderer Vehemenz und mehr persönlichem Engagement darzustellen. Riskiert er dabei nicht, gelegentlich übers Ziel hinauszuschießen?
Ein, zwei Wechsel der Tonabnehmer bringen Klarheit, im wahrsten Sinne: Das Boheme M von The SoundSmith weiß mit größeren tonalen Differenzierungen und farbigeren, ausdrucksstärkeren Stimmen, aber auch ausgedehnteren Frequenzenden zu begeistern. Und insgesamt noch eine Spur besser, weil in Auf- und Antritt nochmals gefestigter, schlägt sich wiederum ein paar Tage später 
ein talentierter Halbbruder des Boheme: Das Zephyr von VPI wird ebenso bei SoundSmith gefertigt und kann mit nochmals leicht gesteigerter Präzision und Anmut auf sich aufmerksam machen. Die Grundausrichtung der Performance aller Systeme liegt allerdings eindeutig bei Laufwerk und Tonarm, und die legen alleweil los, dass es eine stete Freude ist.
.......Wie es dabei wohl gefunkt haben muss, lässt sich wunderbar auf dem Album The World Of Duke Ellington Vol. 2 (BHM 1023-1) nachverfolgen. Gleich im ersten Titel, Battle Royal, sind nicht weniger als sieben Solisten am Start, zu guter Letzt drischt Jeff Hamilton auf sein kompaktes Jazz-Set ein. Jawoll, großer Swing, mächtig Drive, die Spannung einer guten Live-Aufnahme, so soll es sein! Findet auch der AnnaLog, der sich diesem Gipfeltreffen voll und ganz und unlimitiert widmet, der den Groove spürt, liebt und weitergibt, der auch zarteren Instrumenten inmitten des Bigband-Gefüges genug Luft und Strahlkraft gibt und erneut ein mitreißender Mittler der Musik ist. Ich höre auch diese LP am Stück und kann dabei sogar den "übersoulten" Vokaleinlagen von Dianne Reeves - eigentlich nicht so mein Fall - noch interessante Facetten abgewinnen.
Fantastisch trocken und direkt, zugleich überaus satt in den Tieftonlagen kommt die opulent gemasterte MFSL-Edition von Madeleine Peyrouxí Careless Love (MFSL 1-284) daher, was bei charakterlich labileren Plattendrehern durchaus schon mal zu leichten Verstimmungen oder gar Aussetzern geführt hat. Der Nottingham jedoch pflügt völlig ungerührt auch durch die dicksten Bassbrocken, reicht jede hinterhältige Attacke mit dem kleinen Finger und einem Lächeln an die Phonostage weiter - ja, gibt es denn rein gar nichts, was diesem Alleskönner zumindest ein bisschen Anstrengung abringt? Jetzt muss ich doch Paulís Boutique von den Beastie Boys (Capitol 7917431) herauskramen, lege die erste Seite auf, drehe beherzt auf und nach dem Eingangsgeplänkel erschüttert eine gewaltige Tieftondruckwelle das Haus, fetteste Moog-Bässe schütteln das Sofa durch, Scratch-Attacken und zig unterschiedliche Samples fügen sich zu einer dieser merkwürdig-modernen, hier aber höchst verständlich werdenden Kompositionen zusammen - un-er-schüt-ter-lich!
Dieser Patchwork-Balken mit seinen PU-Auslegern, dieses Doppelteller-Schwergewicht geht derart unmissverständlich und konzentriert zur Sache, dass auch im dicksten Soundgetümmel jede einzelne zarte Linie, jedes Instrument, jedes Stimmchen noch seine Zuwendung bekommt. Für mich steht jetzt endgültig fest: Der Anna-Log, so mächtig und nachdrücklich er auch auftritt, ist eine feinnervig ausbalancierte, musikalisch unangreifbare und autoritiv-integrative Musikmaschine!
Und wenn man dem großen, dem großartigen Anna-Gespann tatsächlich eine Art klanglichen Grundcharakter nachsagen will, dann ist es sicherlich kein verschähmtes Ducken, keine übertriebene Vorsicht, nur ja nix falsch zu machen. Vielmehr ist es die Lust auf Musik, die ihn antreibt. Und ein schwacher Motor natürlich.
Nach all den kleineren Nottingham-Plattenspielern, die ich bisher kennen und schätzen gelernt habe, lässt Anna nun zumindest erahnen, warum unser Hardcore-Highender UK sich mittlerweile das Topmodell Deco (siehe hifi tunes - Das Analogbuch 2) gekauft hat: Wenn der klangliche Zugewinn vom AnnaLog zum Deco ein ähnlicher ist wie vom Dais - Nummer 3 in der NA-Nomenklatura zum AnnaLog, dann lohnt es sich sogar, sich noch weiter "nach oben" zu träumen. Man sollte allerdings in der Zwischenzeit fleißig das Sparschwein füttern. Denn klangliche Verbesserungen sind bei Nottingham keine Marketingsprüche, sondern eine Frage des Aufwands und damit der Penunzen, somit sind auch die Abstände zwischen den drei größten Modellen beträchtlich. Da gibts kein Hin- und Herschwanken zwischen zwei Modellen. Zur Orientierung: Der AnnaLog kostet zwar rund 80 Prozent mehr als der nächstkleinere Dais, dafür aber "nur" ein Drittel des Deco. Den Sprung dorthin wird so mancher Analogue-Gourmet goutieren, sich vielleicht sogar leisten.
Doch ein Baumstamm, ein gefällter? Mir gefällt er! Und zwar durch und durch, mit allen kleinen Verschrobenheiten, vor allem aber mit diesem sagenhaften, mitreißenden Fluss der Musik, der so typisch ist für Nottingham Analogue. Mein Freund, der Baum, heißt AnnaLog. Er ist ein treuer, ein teurer Freund zum moderaten Preis, wenn Sie wissen, was ich meine. Die Investition mag, insbesondere für einen Nottingham, zunächst hoch erscheinen, macht sich aber klanglich bezahlt. Oder besser: wird reichlich belohnt!

Autor: Cai Brockmann 
Fotografie: Rolf Winter

© 2011 Image Verlag, Puchheim
www.image-hifi.com

tl_files/envogue-24/annalog_l.jpg

Technische Daten

Maße B x H x T (incl. Tonarm): 460 mm x 280 mm x 360 mm

Lieferumfang:
-Acrylstaubschutz
-HDF - Basisplatte

Gewicht: 42 kg